Hintergrund und Ziele

Hintergrund und Ziele

Hier erfahren Sie, warum es das Netzwerk für eine diversitätsorientierte Praxis der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Berlin gibt und was die Ziele des Netzwerks sind.

Für eine Gesellschaft der Vielen

Das Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht und im UN-Sozialpakt Art. 15 Absatz 1 verankert. Es gilt ausnahmslos für alle – ohne Einschränkung oder Voraussetzungen. Niemand ist zu behindert, zu alt oder zu fremd für eine Teilhabe – die Strukturen und Zugangsbedingungen behindern oder erschweren die Teilhabe – und das oftmals gar nicht beabsichtigt. Die Überwindung dieser strukturellen Ausschlüsse und Barrieren ist ein erklärtes Ziel der Bundes- und Landesregierung, gesetzlich durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland und perspektivisch durch das Berliner  Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) verankert. Diversität und Teilhabe wurden von den beteiligten Einrichtungen der kulturellen Kinder- und Jugendbildung als zentrale Aspekte im Rahmenkonzept Kulturelle Bildung Berlin benannt. 

Diversi-was? Immer diese komplizierten Begriffe…

…es geht auch ganz einfach: Menschen sind vielfältig – sie haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch in ihren Gemeinsamkeiten als Individuen anzuerkennen und wertzuschätzen, ohne diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten (ab)zu (be)werten; Vielfältigkeit als Normalität und positive Ressource zu begreifen: Das ist unser Verständnis von Diversität. 

Wir sind doch schon total vielfältig, oder?

Jein: Die Vielfältigkeit der Berliner Stadtgesellschaft spiegelt sich oft nicht in relevanten gesellschaftlichen Positionen und Institutionen wieder. Besonders Menschen, die von strukturellen Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Ableismus (Behindertenfeindlichkeit) betroffen sind, finden sich proportional deutlich unterdurchschnittlich in gestaltenden und leitenden Positionen. Während in Berlin unter Kindern und Jugendlichen z.B. jede*s/r Dritte eine (familiäre) Migrationsgeschichte und /oder Rassismuserfahrungen hat, sieht es in den Leitungen oder unter den pädagogischen Mitarbeitenden der Einrichtungen der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Berlin ganz anders aus.  

Aber auch Einrichtungen mit einem vielfältigen Team sind nicht automatisch Orte, die frei von Ausschlüssen oder Diskriminierung sind und an denen Teilhabe und Teilgabe gleichberechtigt gelebt wird. Diesen Anspruch erhebt Inklusion: Inklusion bezeichnet die selbstverständliche Zugehörigkeit aller Menschen zur Gesellschaft, verbunden mit der Möglichkeit zur uneingeschränkten Teilhabe in allen Bereichen.

Diversität und Inklusion sind zwei Leitziele, die untrennbar miteinander verbunden sind.

Und wie kommen wir jetzt dahin? Zu der inklusiven Gesellschaft der Vielen?

Um allen Kindern und Jugendlichen in ihrer Vielfältigkeit die Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen, müssen sich die Rahmenbedingungen und Strukturen so ändern, dass Ausgrenzung nicht (mehr) entsteht bzw. abgebaut wird. Mit dem Anbau einer Rampe zur Eingangstür ist es aber nicht getan: oftmals müssen zuallererst Barrieren und Vorannahmen in Kopf und Herz abgebaut werden. Auch Sprache und Bilder können Ausschlüsse erzeugen oder diskriminierend sein, und damit auch Bildungsmaterialien und vieles mehr.

Diversitätsentwicklung und Inklusion sind daher Querschnittsaufgaben, ein ständiger Prozess der Weiterentwicklung - so, wie sich auch unsere Gesellschaft und die Menschheit ständig weiterentwickeln - und haben sehr viel mit Interaktion, Kommunikation und Reflexion zu tun. Um diesen Prozess fachlich und organisatorisch zu unterstützen, hat die LKJ Berlin e.V. Ende 2018 das Netzwerk für eine diversitätsorientierte Praxis der kulturellen Kinder- und Jugendbildung ins Leben gerufen.

Im Netzwerk können wir uns gemeinsam fortbilden, einander hinterfragen, und voneinander und miteinander lernen: z.B. praxistaugliche Konzepte, Instrumente und Methoden. Wir möchten uns über Grundlagen verständigen und gemeinsam einen konkreten ‚Fahrplan‘ entwickeln, wie wir den Zielen einer diversitätsorientierten und inklusiven kulturellen Bildung in Berlin näherkommen. 

 

 

Zum Weiterlesen über die Konzepte von Diversität und Inklusion siehe z.B.:

Keuchel, Susanne (2016): „Zur Diskussion der Begriffe Diversität und Inklusion – mit einem Fokus der Verwendung und Entwicklung beider Begriffe in Kultur und Kultureller Bildung“ auf Kulturelle Bildung >> Online, abrufbar unter: https://www.kubi-online.de/artikel/zur-diskussion-begriffe-diversitaet-inklusion-einem-fokus-verwendung-entwicklung-beider

oder das Interview mit Judy Gummich (2013) „Ohne Antidiskriminierung ist letztlich Diversity auch nicht denkbar“ im Freiwilligenmagazin Vielfalt in der engagierten Stadtgesellschaft sowie unsere weiteren Leseempfehlungen.