Mikrofonds 2020

Mikrofonds 2020

Der Mikrofonds 2020 richtete sich an junge Menschen zwischen 14 und 27, die in Berlin leben und innerhalb der letzten 7 Jahre als Schutzsuchende / Asylsuchende nach Deutschland gekommen sind.

Unter dem Motto "Cash für Deine Kunst! Wir unterstützen kulturelle Aktionen geflüchteter Jugendlicher" riefen wir dazu auf, kurze Ideenskizzen für kulturelle Aktionen einzureichen, die sich auch in der Corona-Pandemie verwirklichen ließen - z.B. digitale Formate oder Performances im Freien mit Abstand. Gefördert werden konnten z.B. Sachkosten oder Leihgebühren für Equipment bis max. 500 € pro Aktion.
Das Gesamtvolumen des Fonds 2020 betrug 6000 Euro. 

Insgesamt konnten wir 13 Kunstaktionen fördern.

 

G(LOVE)S von Eugen Samoilov

G(LOVE)S -  ein interaktives und gemeinschaftsbasiertes Kunstprojekt

Im Winter verlieren viele Menschen Handschuhe auf der Straße. Hebt ihr diese auf oder geht ihr einfach vorbei, ohne euch zu fragen, zu wem sie gehören? Wir betrachten sie als schmutzig und unhygienisch. Eugen Samoilov möchte diese Wahrnehmung umkehren, denn "Jeder Handschuh hat eine Geschichte. Jeder Handschuh ist ein Mensch. Ich möchte Tribut zollen an die kleinen Handschuhe, auf die wir treten und die einsam auf dem Boden liegen". Eugen Samoilov hat mit Freund*innen und Freiwilligen monatelang verlorene Handschuhe gesammelt. Das Projekt hat auch einen Umweltansatz, da ein Kunstwerk aus etwas erschaffen wird, das niemand mehr braucht. "Es ist ein kollektives Kunstwerk über unsere Gemeinschaften und verlorene G(LOVE)S"

Förderung 500 Euro

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Foto von Eugen Samoilov

 

Meine Welt. Deine Welt von Shirin Shanibaqui & Zahra Ramazani

Die Kunstausstellung "Meine Welt. Deine Welt" von Shirin Shanibaqi & Zahra Ramazani fand im Oktober 2020 im teeny Musik treff statt. Die 2 Schülerinnen (16 Jahre alt) haben beeindruckende Bilder gemalt unter anderem auf Leinwänden. Von Landschaften, Menschen und ihrer Heimat Irak und Afghanistan. Sie möchten zeigen, dass Kunst keine Unterschiede kennt.

Förderung 491 Euro

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"Sonnenuntergang" von Zahra Ramazani
"Sonnenuntergang" von Zahra Ramazani
Kleid
"Salwar - Kameez" (afghanisches traditionelles Kleid) von Zahra Ramazani.
Ein Mädchen, dass Attan tanzt.
Frau
Jutta Schauer-Oldenburg von Zahra Ramazani.
Planet
"A piece from space" Die Erde, der Mars von Shirin Shanibaqi
Landschaft
"Heiliger Ort im Yezidentum" Eine Version von Lalish von Shirin Shanibaqi
Flucht
"Die Flucht" Erinnerung an die selbst erlebte Flucht aus dem Irak von Shirin Shanibaqi

 

Wardavar / Fotoreihe von Hakob Hambardzumyan (Jakob Frei)

Hakob Hambardzumyan möchte eine neue Version des armenischen Dichters Tumanyan schaffen und des Wasserfestes Wardavar. Es soll eine queere und LGBTQI* Liebesgeschichte entstehen.

Hakob: "Im ehemaligen heidnischen Armenien hatte man Wardavar der Göttin der Liebe und Schönheit gewidmet. Die Menschen besprengten sich zum Zeichen innerer und äußerer Reinheit mit Rosenwasser oder normalem Wasser. Nachdem das Christentum nach Armenien gekommen war, verlieh die armenische Kirche diesem Fest eine religiöse Bedeutung, indem man seither an diesem Tag die Verklärung Christi feiert. Es ist eines der fünf Hochfeste der armenischen Kirche. Wir nehmen die Idee des Festes und die Geschichte von Anush. Das sind die wichtigsten Punkte der armenischen Tradition. Wir wollen sie anders / queer interpretieren und umdenken"

Förderung 500 Euro

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Foto Jakob Frei
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Foto Jakob Frei
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Foto Jakob Frei

 

Gedichte-/Fotobuch von Abraham Kesanet

Abraham: "In meiner Kindheit in Eritrea habe ich zufällig das Interesse und meine Begabung zum Schreiben von Gedichten entdeckt. Ich war sehr überrascht und stolz, als ich bei einem Wettbewerb mit dem 3. Platz ausgezeichnet wurde. Nach meiner Flucht aus Eritrea vor fünf Jahren, bot mir dieses Talent die Möglichkeit, meine Gefühle in Gedichten auszudrücken und einige von ihnen in dem Magazin kulturTür  zu veröffentlichen. Das hat mir sehr geholfen mich in Deutschland, in Berlin einzuleben und Menschen kennenzulernen." Kasanet und Heidi Kröger, die die Bilder gemacht hat, haben sich durch seine Gedichte kennengelernt und gemeinsam haben sie dieses beeindruckende Gedichte- und Fotobuch erstellt. KulturTÜR plant aktuell eine Lesung, wenn ihr Interesse habt, schaut HIER!

Wollt ihr das gesamte Gedichte-/Fotobuch sehen, dann klickt HIER!

Förderung: 500 Euro

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Gedichte von Kasanet Abraham, Fotos von Heidi Kröger

 

Kurzfilm zum Thema Scheidung von Kasem

Kasem ist 17 Jahre jung und vor 9 Monaten nach Deutschland gekommen. Seine Eltern haben sich scheiden lassen, als er 6 Jahre alt war. Dieses bewegende Thema und die Gefühle dazu hat er in einem Kurzfilm verarbeitet. Das Drehbuch hat er schon vor Monaten geschrieben und möchte jetzt mit der Förderung einen Kurzfilm drehen. 

Förderung: 500 Euro 

Naked Berlin von Ajaj Abdulsalam

Ajaj: "NAKED Berlin ist eine Hommage an die Stadt und Berlins Freiheit. Wir leben alle in verschiedenen urbanen Blasen und es scheint so zu sein, als ob wir in einem Multi-Kulti Megapolis wohnen. Allerdings finden schon seit über 10 Jahren rasche Veränderungen im Stadtbild statt und die Gentrifikation ist in vollem Gang. Die Kunst und Kultur müssen sich vor Verdrängung und Ausbeutung schützen und sogar verteidigen. Berlin bleibt dank des unermüdlichen Engagements weiterhin eine internationale und weltoffene Stadt. NAKED BERLIN ist ein politischer Körper. Privat bleibt nach wie vor politisch. Aus unserer Sicht können einzelne keine politischen Probleme individuell lösen. Es gäbe eine kollektive Lösung durch kollektive Aktionen. Unsere Körper sind intersektionale Orte, die natürlich zuerst durch biologische, psychologische und soziale Merkmale gelesen werden. Dennoch sind sie politisch geprägt. Unsere Erfahrungen mit den Machtstrukturen und der Entmächtigung sind in unseren Körpern stark verankert. Trotz alledem kann ein nackter Körper zu einem Demokratie-Mittel werden. Sobald du textilfrei in der Öffentlichkeit auftrittst, keiner kann dich in bestimmte Schubladen stecken und dich aufgrund deiner Sozialklasse, deiner Nationalität, Bildung etc. verurteilen. Das einzige, was da übrig bleibt und was gesehen wird, ist ein Mensch. NAKED BERLIN steht für die Vielfalt und
Body Positivity. Wir sehen uns als Teil einer sozialen Bewegung und wir verändern die Art und Weise, wie ein Körper und Genderrollen in der Gesellschaft präsentiert und dargestellt werden.

Ab Juli bis August finden Aktionen in der Stadt mit nackten Körpern statt. Danach wird eine Plakat-Kampagne zum Thema Body-Positivty veröffentlicht. Poster / Postkarten von den Aktionen werden in der Stadt verteilt und so Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht."

Förderung: 499,99 Euro

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Fotos von Ajaj Abdulsalam

 

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Fotos von Ajaj Abdulsalam

 

20 Years of T.A.T.U von Nikita Tomilov

Nikita: "T. A. T. U. is a Russian band that promoted the ideas of equality and respect for each other regardless of gender, gender identity and sexual orientation in their performances and songs, which peaked in 1999-2011. At the moment, the group has ended its existence. Now the soloists of this group Lena Katina and Yulia Volkova lead a solo career. This year the group is celebrating its 20th anniversary.

Project objective: Support for the LGBT community and a message to those who are not yet confident in themselves 'Love, it is different. Don't be afraid to love and show your love to the world.'   would like to make a video for the song by T. A. T. U. "gay Boy", by which I would like to Express a kind of protest to people who still live by the standards of the Soviet world and do not accept people as they are.

Förderung 500 Euro

 

Modellbau Workshop - Sami Almohamad Alchahin

Sami hat einen Workshop organisiert. Jeder konnte seine eigene Ideen in Modelle umsetzen, z.B. ein Traumhaus, eine Moschee oder eine Quarantäne, die unsere jetzige Zeit präsentiert. Die Mini-Häuser wurden hauptsächlich aus Holz und Karton gebaut. Alle Interessierten konnten mitmachen und brauchten keine Vorkenntnisse. 

Termin 5. und 6. September 2020

Förderung für Raummiete und Material 250 Euro

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Mal-Workshop Trauerverarbeitung von Zabiullah Gholami

Zabiullah Gholami: "Nach meiner Flucht bemerkte ich, dass dieser lange und gefährliche Weg nach Deutschland Spuren in meinem psychischen Wohlempfinden hinterlassen hat. Diese immer wiederkehrenden Eindrücke und Erlebnisse haben mich lange beschäftigt und nachts wach im Bett liegen lassen. Mein großes Glück war, dass mir im Rahmen der Jugendhilfe viele Kunstprojekte (Theater, Film, Malerei) zur Teilnahme angeboten wurden in welchen ich meine Erlebnisse aktiv verarbeiten konnte. Diese positiven Erfahrungen, welche ich in der Trauerverarbeitung machen konnte, möchte ich nun im Rahmen eines eigenen Kunstprojektes weitergeben."

Förderung: 297,84 Euro

Diese tollen Bilder sind dabei entstanden.

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Kurzfilm-Workshop von Rajab Mohamed

Rajab Mohamed dreht seit vier Jahren Kurzfilme und sammelte die letzten Jahre viele Erfahrungen in diesem Bereich. Er hat schon einige mehrtätige Workshops für Jugendliche gegeben um sein Wissen weiterzugeben. Hier ging es unter anderem um die Grundlagen der Kamera und ihre Einstellungen, Funktionen von Zubehör und Umgang mit Beleuchtung und Ton. Dieses Jahr fand in den Sommerferien ein Workshop mit Jugendlichen aus Syrien zum Thema Filmschnitt statt.

Förderung: 463,07 Euro

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"Ich schaffe es allein" Drehbuch von Hasan Mohammed

"Ich schaffe es allein" lautet das Drehbuch für einen Kurzfilm. Mit Freunden, die mit Kamera und Ton helfen, soll ein Kurzfilm entstehen. Das Drehbuch dazu hat Hasan Mohamed mit Unterstützung von Young Arts Neukölln schon geschrieben.

Förderung: 399,32 Euro

Kurzfilm Thema Kunst von Alastah Walid

Alastah Walid fotografiert und dreht seit vier Jahren Kurzfilme. Er hat schon mehrere Workshops ehrenamtlich geleitet. Mit interessierten Jugendlichen drehte er einen Kurzfilm zum Thema Motivation. "Wie können wir Menschen ermutigen, Gutes zu leisten und ihre Reise in diesem Leben voranzutreiben?"

Förderung: 442,70 Euro

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Refugees Theater Groups

Die 12-köpfige Refugees Theater Groups wurde 2016 ins Leben gerufen und konnte seitdem bei vielen Auftritten in ganz Deutschland ihre Geschichten erzählen. Die Schauspieler*innen, welche selbst Fluchterfahrungen haben, wollen den Umgang der Europäischen Union mit Geflüchteten und Migrant*innen darstellen. Sie schreiben Szenen, die vom realen Leben der geflüchteten Menschen in einem hinterhältigen System inspiriert sind. Diese Szene behandeln z.B. den Asylantrag, die Abschiebungen, unverständliche Briefe und wie Grenzen unsere Welt zerteilen. Rassismus im Alltag und auf der Ausländerbehörde, Traumatisierung vom System, moderne Versklavung, die Geflüchteten ohne Rechte, die Gesundheitskarte und immer wieder warten, warten, warten.
Die Darsteller*innen wollen der Öffentlichkeit und der Welt diese Geschichten erzählen. Sie möchten einem breiten Publikum die schlimme Situation aufzeigen, in der geflüchtete Menschen und Migrant*innen in Europa und besonders in Deutschland leben. Mit ihrem Spiel möchten sie auf die Missstände aufmerksam machen, ihre Stimmen erheben sowie anderen Geflüchteten Orientierung und Informationen an die Hand geben.

Förderung: 488,94 Euro

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Wir danken der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) für die Förderung, die den Mikrofonds 2020 ermöglicht hat.

Logo der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie